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Hansestadt Greifswald
Leise Töne zum 750. Jubiläum von St. Spiritus
Anhand historischer Dokumente und Bildmaterial aus dem Stadtarchiv wird die wandelvolle Vergangenheit des historischen Gebäudekomplexes im Altstadtkern von Greifswald präsentiert.
Die Ausstellung ist vom 13. bis 29. Juni 2012 im kleinen Saal zu sehen. Am 15. Juni bietet Bauhistoriker Felix Schönrock um 16:00 und 17:00 Uhr Sonderführungen an. Bereits um 10:00 Uhr spielt das Puppentheater Schlott "Rotkäppchen" für die Kleinsten (Eintritt 3,- Euro), ab 16:00 Uhr ist die Bastelstraße geöffnet. Neben Hofmusik zu Kaffee und Kuchen erklingt ab 18:00 Uhr ein Chorkonzert mit dem Chor St. Spiritus. Skandinavische und irische Weisen mit Geige, Gitarre, Kontrabass, Bodhrán und Tin Whistle präsentieren ab 19:30 Uhr die "Strömkarlen" in ihrem Konzert (Eintritt 9,- / erm. 8,- Euro).
Zum Gebäudekomplex St. Spiritus gehören das Hauptgebäude, der Ausstellungssaal, die Kapelle sowie die Werkstätten und das Café auf dem Hof. Ein großer Teil der Anlage wurde von 2005 bis 2007 umfassend saniert. Mit seiner gotischen Kapelle ist St. Spiritus Teil der Europäischen Backsteinroute. Das soziokulturelle Zentrum zählt jährlich rund 35.000 Besucher aus dem In- und Ausland und bietet etwa 800 Veranstaltungen an.
Das Greifswalder St.-Spiritus-Hospital - ein geschichtsträchtiges Gebäude
Zur Infrastruktur aller größeren Städte gehörten in mittelalterlicher Zeit Hospitäler, die sich der Betreuung alter und kranker Einwohner widmeten. Das Greifswalder St.-Spiritus-Hospital wurde im Jahre 1262 erstmals in einer Urkunde des pommerschen Herzogs Wartislaw III. erwähnt. Dem vermutlich bereits bestehenden Hospital stiftete der Herzog eine jährliche Getreidelieferung und bestimmte die Ratsherren der Stadt zu Verwaltern dieser Einrichtung.
Heute präsentiert sich das Hospital als gewachsenes bauliches Ensemble und wird durch Gebäude des 17. bis 19. Jahrhunderts geprägt. Bauliche Reste aus mittelalterlicher Zeit sind ebenfalls erhalten geblieben, doch durch ihre Einbeziehung in die jüngeren Hospitalgebäude nicht auf den ersten Blick sichtbar. Bereits 2001 bis 2003 konnten die in ein Wohnhaus einbezogenen Teile der mittelalterlichen Hospitalkirche aus den 1280er Jahren (Lange Straße 51) saniert werden. Der Keller unter dem nun sanierten Haupthaus der Hospitalanlage (Lange Straße 49) stammt ebenfalls aus mittelalterlicher Zeit und entstand in den 1270er Jahren.
Das Haupthaus des St.-Spiritus-Hospitals in der Langen Straße 49 ist im Wesentlichen eine Neubaumaßnahme der 1740er Jahre. Die heutige Innenstruktur des Hauses stammt nahezu unverändert aus dieser Zeit. Insgesamt entstanden 14 Wohnungen sowie ein kleiner Kirchsaal im Erdgeschoss. Die Wohneinheiten bestanden aus einer beheizbaren Stube, einer Kammer und einer Küche sowie einer Abstellkammer im Dachgeschoss. Hier ist auch das barocke Aufzugsrad noch vorhanden.
Viele der Wohnungen besitzen noch heute ihre ursprünglichen Zimmertüren und bleiverglaste Oberlichter, die den größten zusammenhängenden Ausstattungsbestand des Barock in der Greifswalder Altstadt darstellen. Im 1. Obergeschoss des Gebäudes ist in einem Raum eine originale Wand- und Deckenbemalung dieser Bauphase in Form einer Rankenmalerei erhalten. Diese ist dem Rokoko (1740) zuzuordnen und aufgrund ihrer Individualität und Geschlossenheit ein seltener und außerordentlicher Befund für die Region. Sie wurde dementsprechend behutsam restauriert.
In den frühen 1820er Jahren wurde das Haus im klassizistischen Zeitgeschmack modernisiert. Die Straßenfassade erhielt ihre heute vorhandene äußere Gestalt mit neuen Fenstern, neuer Haustür und der Türrahmung mit dem Schriftzug "ST. SPIRITUS". In dieser Zeit wurden auch einige Wohnungen mit neuen, klassizistischen Zimmertüren und den heute wieder sichtbaren Ausmalungen ausgestattet.
Die beiden 2006/2007 ebenfalls instand gesetzten Budenzeilen auf dem Hof beherbergten ursprünglich weitere 13 Hospitalwohnungen. Die Fachwerkbuden auf der Westseite wurden in den 1650er Jahren errichtet, kurz nachdem die Insassen des Neuen St.-Spiritus-Hospitals an der Stralsunder Straße, das im 30-jährigen Krieg zerstört wurde, wieder in die Altstadt zurückgezogen waren. Die Budenreihe auf der Ost- und Südseite des Hospitalhofes entstand 1773 und ersetzte eine ältere Budenzeile aus Fachwerk.
Für Vieles und alle offen
Das Soziokulturelle Zentrum wurde 1990 durch die Bemühungen einiger Mitarbeiterinnen und kulturinteressierter Bürgerinnen der Stadt Greifswald ins Leben gerufen und durch den "Runden Tisch" politisch unterstützt. Es ist seit 1991 Gründungsmitglied der Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur und Sitz der Geschäftsstelle. Gefördert wird es durch das Land Mecklenburg-Vorpommern. St. Spiritus ist ein Ort der kulturellen und künstlerischen Bildung, ein Freiraum für kulturelle Kommunikation, Wirkungsstätte für Künstlerinnen unterschiedlichster Gattungen und Ort der Demokratie. Unter dem Motto "Für Vieles und alle offen" richtet sich das Angebot an alle Sozial-, Alters- und Bildungsschichten.
Moderne Festivals in historischem Ambiente
Das Soziokulturelle Zentrum ist durch sein inhaltliches Angebot überregional und international bekannt geworden. Zahlreiche große und kleine Ideen für Projekte überregionaler und internationaler Relevanz nahmen hier ihren Ausgang: angefangen bei "Kunst offen" über den "Nordischen Klang", das "Vorpommersche Chortreffen" bis hin zu den "Tanztendenzen". Künstlerische Kurse und Workshops, Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, Konzerte von Klassik bis Jazz gehören ebenso zum Programm wie die Förderung junger innovativer Kunst. Darüber hinaus arbeitet das Kulturzentrum mit der Universität, mit Künstlern und Musikern der verschiedensten Richtungen, europäischen Kulturinstituten und Botschaften sowie mit Vereinen und Initiativen zusammen.
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